Visuelle Auszeichnungen und Verzierungen
Visuelle Auszeichnungen der Vorlage werden mit dem Element <hi> markiert:
- <hi> ( ›hervorgehoben‹ ) »markiert ein Wort oder eine Textpassage, das/die sich grafisch vom umgebenden Text abhebt, ohne dass ein inhaltlicher Grund dafür angegeben wird.« (↪ TEI)
- @rendition( ›Wiedergabe‹ ) gibt die Art der Auszeichnung mit einem Verweis auf eine Ressource von ›heiEDITIONS Concepts‹ an
- @hei:color
Es können mehrere <hi>-Elemente ineinander geschachtelt sein, wenn ein größeres visuell hervorgehobenes Textsegment ein kleineres Textsegment enthält, das seinerseits auf eine andere Weise visuell ausgezeichnet ist (z. B. ein vergrößerter Buchstabe in einem größeren unterstrichenen Textsegment). Liegen mehrere Typen visueller Hervorhebung auf einem einzigen Textsegment vor, können mehrere Angaben im Attribut @rendition an einem einzigen <hi> kombiniert werden.
Visuelle Auszeichnungen der Schrift
Visuelle Auffälligkeiten der Schrift können nach diesem Prinzip in heiEDITIONS als solche ausgezeichnet werden. Dies erlaubt eine präzise Darstellung der paläographischen und typographischen Befunde der Texte. Dies betrifft einerseits die Schrift selbst, welche in ihrer Form erfasst werden kann. Hierzu stehen in attribut @rendition zahlreiche Attributwerte zur Verfügung:
- hc:Bold fette Schrift
- hc:Italic sogenannte "echte" Kursive
- hc:Lowercase Kleinbuchstaben bzw. Minuskeln
- hc:Regular gerade Schrift
- hc:Roman gerade Schrift
- hc:SansSerif serifenlose Schrift
- hc:Serif Serifenschrift
- hc:SmallCaps Kapitälchen
- hc:Spaced Sperrung
- hc:Uppercase Großbuchstaben bzw. Majuskeln
Andererseits können neben den umfangreicheren Schriftbefunden auch einzelne Buchstaben oder einzelne Schriftsegmente Besonderheiten aufweisen. Besonders von heiEDITIONS unterstützt werden dabei Vergrößerungen gegenüber dem umgebenden Text.
- hc:EnlargedVisueller Gegenstand, der gegenüber der Normalgröße im umgebenden visuellen Kontext größer angelegt wurde.
- hc:EnlargedLowerPartvergrößerter unterer Teil
- hc:EnlargedUpperPartvergrößerter oberer Teil
Weitere Befunde, die mithilfe der Vorgaben von heiEDITIONS kodiert werden können, sind hoch- und tiefgestellte Zahlen oder Buchstaben, Wörter bzw. auch ganze Sätze. Als rein grafischer Bestimmung können die Attributwerte hc:Subscript (Tiefstellung) und hc:Superscript (Hochstellung) sowohl für spätere Einfügungen (beispielsweise als Korrekturen) als auch für beabsichtigt hoch- bzw. tiefgestellte Zeichen verwendet werden.
Grafische Auszeichnungen
Neben den direkt die Schrift betreffenden Beurteilungen können mithilfe von heiEDITIONS auch andere, die Schrift umgebende Hervorhebungen kodiert werden. So ist es möglich, die im Dokument vorhandenen Auszeichnungen zur Analyse und digitalen Darstellung verfügbar zu machen. Die Auszeichnungen nach heiEDITIONS halten dabei lediglich die visuellen Befunde fest, ohne ihnen im Voraus eine bestimmte Bedeutung zuzumessen. Der Gehalt der grafischen Auszeichnungen kann durch die Kombination des Hervorhebungs-Elements <hi> mit anderen Elementen kodiert werden.
Grundsätzliche grafische Befunde, die dargestellt werden können, umfassen:
- hc:Framed umrandeter visueller Gegenstand
- hc:Overlined überstrichener visueller Gegenstand
- hc:Underlined unterstrichener visueller Gegenstand
- hc:DoubleUnderlineddoppelt unterstrichener visueller Gegenstand
Insbesondere in mittelalterlichen Handschriften werden Verzierungen und Auszeichnungen auch mit roter Tinte vorgenommen. Mit den Attributwerten hc:RedStroke, hc:RedUnderlined und RedStroke trägt heiEDITIONS dem Rechnung.
Rote Strichelung
hc:RedStroke ( ›rote Strichelung‹ ): Visueller Gegenstand (typischerweise ein Buchstabe), der durch rote Strichelung verziert wurde. Mit roter Strichelung ist dabei eine vertikale Durchstreichung eines zuvor geschriebenen Zeichens mit roter Farbe oder roter Tinte gemeint.
Rote Überstreichung
Neben diesen Möglichkeiten, die Details der Schrift selbst sowie die Schrift umgebende Befunde auszuzeichnenen, können bestimmte Hervorhebungen auch in anderer Form in heiEDITIONS dargestellt werden. Dies betrifft insbesondere Initialen bzw. Majuskeln, die nicht nur als textunterteilende Objekte wirken, sondern auch Hervorhebungen darstellen. Hierfür können die Hervorhebungen am Element <hi> bzw. dem Attribut @rendition als Kadelle (hc:Cadel), Versale (hc:Versal), Littera Notabilior (hc:LitteraNotabilior), oder Lombarde (hc:Lombard) spezifiziert werden.
Versal
hc:Versal ( ›Versal‹ ): »Der Begriff leitet sich von den Anfangsbuchstaben von abgesetzt geschriebenen Verszeilen ab, die leicht vergrößert links aus der Spalte gerückt sind. Danach allgemein für links ausgerückte, meist nur einzeilige, farblich abgehobene, ggf. leicht verzierte Anfangsbuchstaben« (→ Jakobi-Mirwald 42015, S. 50) . Im engeren Sinn wird der Begriff Versal auch nur für ausgerückte Anfangsbuchstaben von Psalmversen verwendet.
Kadelle
hc:Cadel ( ›Kadelle; Cadelle‹ ): »Großbuchstaben des 14. und 15. Jh., deren Schäfte und Bögen aus parallel laufenden, sich zum Teil durchkreuzenden breiten Strichen in Schrifttinte mit der Schreibfeder gebildet sind« (→ Jakobi-Mirwald 42015, S. 60) . Allgemeiner auch eine sonstige vergrößerte littera notabilior, eine Satzmajuskel bzw. ein Versal, wenn der Buchstabe mit Schrifttinte ausgeführt (und ggf. rot gestrichelt) und ebenfalls in Schrifttinte verziert ist, ggf. mit Fleuronnée oder figuralen Motiven. Eine Kadelle kann als Initiale eine strukturell-gliedernde Funktion übernehmen, dient aber häufig auch ›nur‹ als visuelle Marke jeweils in der ersten Zeile einer Seite oder Spalte.

Abb. 1: Kadelle als Versal ohne sonstige strukturell-gliedernde Funktion in der ersten Zeile einer Spalte (Stuttgart, Württembergische Landesbibliotek, HB V 95, fol. 8r, https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/wlb_hb_v_95/0019 bzw. ↪ http://digital.wlb-stuttgart.de/purl/bsz343181304/page/19, Abbildung gemeinfrei).
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<hi rendition="hc:Cadel">D</hi>ı wıle er wılt d&zig; meıſtírſchaft
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Farbe
Textsegmente, die sich durch ihre Farbe abheben, können am Element <hi> mit dem Attribut @hei:color markiert werden. Mögliche Attributwerte sind dabei bislang z. B. Red, Blue und Green. Bei diesen Werten handelt es sich um keine Konzepte von ›heiEDITIONS‹, den Attributwerten wird also kein hc: vorangestelt.

Abb. 3: Mit roter Farbe geschriebener Text (Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 37.19 Aug. 2°, fol. 21v, ↪ https://doi.org/10.11588/diglit.24512#0044).
<lg ana="hc:Couplet">
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<hi hei:color="Red"><hi rendition="hc:Versal">H</hi>ıe endet ſıch das eꝛſte tayl</hi>
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<hi hei:color="Red"><hi rendition="hc:Versal">G</hi>ot geb vns zu&osup; dem andeꝛn hayl</hi>
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Zitierte Literatur
- Jakobi-Mirwald 42015
- Jakobi-Mirwald, Christine: Buchmalerei : Terminologie in der Kunstgeschichte. 4., überarb. Aufl. unter Mitarbeit von Martin Roland. Berlin : Reimer, 2015. – ISBN 978-3-496-01499-7