Initialen
Initialen, vom lateinischen initialis, "am Anfang stehend", bezeichnet jeden am Textanfang stehenden Buchstaben, der in größe und Form gegenüber der Textschrift oder den Satzmajuskeln herausgehoben ist→ Jakobi-Mirwald 42015, S. 22.
Initialen sind hybride Phänomene. Einerseits können sie, als Zierinitialen, eine Illustration und Dekoration des Texts darstellen. Andererseits stellen sie auch ein wichtiges Gliederungselement der Handschriften dar.
Innerhalb einer Handschrift sind Initialen in der Regel hierarchisch gestaffelt. Primäre Initialen dienen dabei nicht nur als Gliederungs-, sondern insbesondere auch als ästhetische Gestaltungselemente. Sekundäre Initialen sind schlichter gehalten und werden nach ihrer Position im Text unterschiedlich bezeichnet.
In ›heiEDITIONS‹ werden zwei Möglichkeiten für die Kodierung von Initialen unterstützt:
Einerseits die explizite Markierung als Initiale, welche eine strukturell-gliedernde Funktion übernimmt und Textteile markiert oder anderweitig mit dem Text verbundene Aufgaben wahrnimmt. Dies kann über das Element <initial> geschehen, dessen Attribut @rendition mit den spezifischen, von heiEDITIONS verwendeten Werten der verschiedenen Formen von Initialen genauer definiert werden können.
Andererseits gibt es auch, insbesondere bei Lombarden und Kadellen, die Möglichkeit, dass diese lediglich als visuelle Markierungen eines Satz- oder Absatzbeginns wirken. Hier kann die Initiale als reine visuelle Auszeichnung oder Verzierung mit <hi> wiedergegeben werden . Auch hier ist eine Spezifizierung mithilfe von @rendition möglich.
Kadelle
hc:Cadel ( ›Kadelle; Cadelle‹ ): »Großbuchstaben des 14. und 15. Jh., deren Schäfte und Bögen aus parallel laufenden, sich zum Teil durchkreuzenden breiten Strichen in Schrifttinte mit der Schreibfeder gebildet sind« (→ Jakobi-Mirwald 42015, S. 60) . Allgemeiner auch eine sonstige vergrößerte littera notabilior, eine Satzmajuskel bzw. ein Versal, wenn der Buchstabe mit Schrifttinte ausgeführt (und ggf. rot gestrichelt) und ebenfalls in Schrifttinte verziert ist, ggf. mit Fleuronnée oder figuralen Motiven. Eine Kadelle kann als Initiale eine strukturell-gliedernde Funktion übernehmen, dient aber häufig auch ›nur‹ als visuelle Marke jeweils in der ersten Zeile einer Seite oder Spalte.
Versal
hc:Versal ( ›Versal‹ ): »Der Begriff leitet sich von den Anfangsbuchstaben von abgesetzt geschriebenen Verszeilen ab, die leicht vergrößert links aus der Spalte gerückt sind. Danach allgemein für links ausgerückte, meist nur einzeilige, farblich abgehobene, ggf. leicht verzierte Anfangsbuchstaben« (→ Jakobi-Mirwald 42015, S. 50) . Im engeren Sinn wird der Begriff Versal auch nur für ausgerückte Anfangsbuchstaben von Psalmversen verwendet.
Lombarde
hc:Lombard ( ›Lombarde‹ ): »Einfache, bauchig gerundete, der Unzialschrift ähnliche Initialform […], meist einfarbig […], gelegentlich mit ausgespartem Ornament […]« (Jacobi-Mirwald 2008, 63; vgl. ferner http://d-nb.info/gnd/1025475976), für Initialmajuskeln in gotischen Handschriften gebräuchlich. Auch verwendet als Auszeichungsmittel für Gliederungsmarken und Orientierungshilfen.
Insbesondere Versal und Lombarde haben neben ihren dekorativen Eigenschaften auch die Aufgabe, die Texte zu strukturieren. Während die Lombarde im klassischen Sinne der Initiale untergeordnet fungiert und einzelne Textanschnitte markiert, zeigt das Versal einen abgesetzten Versteil an.
Gestaltungsmöglichkeiten
Initialen als dekorative Elemente von Handschriften können verschiedene
Figureninitiale
hc:FigureInitial ( ›Figureninitiale‹ ): Eine Initiale, die Menschen- und Tierdarstellungen umfasst.
Die figurative Darstellung einer Initiale kann bei Bedarf weiter unterteilt werden in anthropomorphe Initialen, deren Körper ganz oder zum Teil aus Menschen bestehen, und zoomorphe Initialen, deren Körper ganz oder zum Teil aus Tieren bestehen. Da jedoch Mischformen häufig vorkommen, ist der weiter gefasste Begriff der Figureninitiale in heiEDITIONS aufgeführt.
anthropomorphe Initiale
hc:AnthropomorphicInitial ( ›anthropomorphe Initiale‹ ): Eine Initiale, deren Körper ganz oder zum Teil aus Menschen besteht.
zoomorphe Initiale
hc:ZoomorphicInitial ( ›Tierinitiale‹ ): Eine Initiale, deren Körper ganz oder zum Teil aus Tieren besteht.
Eine weitere Form der Initiale, die ebenfalls figürliche Darstellungen enthält, ist die historisierte Initiale. Hier hat die Darstellung in der Regel einen Bezug zum Text:
historisierte Initiale
hc:HistoriatedInitial ( ›historisierte Initiale‹ ): »Bezeichnung fr alle Initialen mit textbezogener figürlicher Darstellung. [...] Wie bei Miniaturen kann außer dem Wortsinn auch eine allegorische, typologische oder moralisierende Auslegung den Zusammenhang zwischen Text und Bild herstellen.« (→ Jakobi-Mirwald 42015, S. 56/57) .
Neben diesen figurativen Darstellungen gibt es weitere schmückende Formen der Initialen, deren Verwendung auch Hinweise auf Zeit und Ort der Herstellung des Manuskripts sein können.
Feldinitiale
hc:ChampieInitial ( ›Feldinitiale‹ ): Lehnübersetzung aus dem Französischen ("lettre champie"). »Gemalter Buchstabe auf einem Feld, oft im Farbdreiklang Violett, Blau und Gold, typische Form sekundärer Initialen« (→ Jakobi-Mirwald 42015, S. 62) . Der Begriff "Feld" bezeichnet dabei eine Hintergrundform mit fester äußerer Begrenzung.
Rankeninitiale
hc:ScrollworkInitial ( ›Rankeninitiale‹ ): Initiale mit Rankenschmuck
Spaltleisteninitiale
hc:SpaltleistenInitial ( ›Spaltleisteninitiale‹ ): »"Der charakteristische romanische Initialtyp mit partiell gespaltenem Leistenstamm. Der Stamm oder auch Rankenzweige können mit Schnallen zusammengehalten werden und mit Blattappliken verziert sein, das Binnenfeld enthält üblicherweise Rankendekor. [...] Ausführung üblicherweise in Federzeichnung, gg. mit farbigem Polstergrund« (→ Jakobi-Mirwald 42015, S. 65) .
Feldinitiale
hc:SilhouetteInitial ( ›Silhouetten-Initiale‹ ): »Meist ein- oder zweifarbige sekundäre Initiale mit kompaktem Stamm und schlichten, nur in der Farbsilhoutte gegebenen Blättchen oder kurzen Ranken als Füllung oder Besatz (12. u. 13. Jh.).« (→ Jakobi-Mirwald 42015, S. 64)